Warum schenken wir?

Warum schenken wir?

Oder: Herzensentscheidung vs. Konsumwahn

In genau 21 Tagen ist es so weit – der heilige Abend steht vor der Tür.

Wie handhabst du es mit dem Schenken?

Abgeschafft, weil es eh nur Kommerz ist? Oder zelebrierst du das Ritual von Herzen?

Und wie findet man das perfekte Geschenk?

Warum schenken wir überhaupt und warum im Speziellen an Weihnachten?

Eine Einladung zum Kindergeburtstag kann zum Nachdenken anregen!

Ein Kind lud meinen Sohn zum 7. Geburtstag ein. Auf der Einladung war vermerkt, dass sich das Geburtstagskind ein großes Lego-Set wünscht und die Mutter daher bittet, dass sich die Gäste daran beteiligen.

Mein erster Gedanke war: Super, dann schicke ich Geld mit und gut ist. Hab ich mir den Weg zum Spielzeugladen und damit Zeit gespart. Top! Dann kam der Tag des Geburtstages. Mein Sohn sollte sich für die Party fertigmachen und da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen „Wir haben gar kein Geschenk!“

Ich erklärte ihm die Situation und er verstand den anderen Jungen. Ihm selbst aber war es merklich unangenehm ohne ein Präsent auf die Feier zu gehen. Wir haben noch schnell einen Ballon mit Süßem verziert, so dass auch der Gast zufrieden war.

Warum ich so erfreut über die Idee der Mutter war, ist sofort klar – Aufwand erspart.

Warum es meinen Sohn gestört hat? Selbstverständlich ist es schon Tradition dem Geburtstagskind ein Geschenk mitzubringen, aber sicher war es auch der fehlende Ausdruck der Wertschätzung für den Jungen, der ihn irritiert hat.

Geschenke sollten von Herzen kommen

Erinnere dich einen Moment an eine Situation, in der du von Herzen etwas Persönliches geschenkt bekommen hast.

Wie hast du dich gefühlt?

Wie ging es dir?

Welche Gefühle hat dieses Geschenk in dir ausgelöst?

Das Gefühl der Freude? Das Gefühl geliebt zu sein? Das Gefühl angenommen zu sein? Das Gefühl wertgeschätzt zu werden? Das Gefühl beachtet zu werden? Das Gefühl wertvoll zu sein?

Welche Gefühle hat es in dir ausgelöst?

 

Und nun erinnere dich bitte an einen Moment, in dem du etwas liebevoll ausgesuchtes von Herzen geschenkt hast?

Wie hast du dich gefühlt?

Wie ging es dir?

Welche Gefühle hat dieses Geschenk in dir ausgelöst?

Das Gefühl dem anderen eine Freude zu bereiten? Ihm deine Liebe zu zeigen? Ihm ganz besondere Beachtung, Anerkennung und Wertschätzung zukommen zu lassen? Das Gefühl der Person dankbar etwas zurück zu geben? Das Gefühl von Wärme um dein Herz?

Präsenz und Präsent

Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Worte Präsent (Geschenk) und Präsenz (Anwesenheit/Gegenwart) sich so stark ähneln.

Bin ich gedanklich ganz beim zu Beschenkenden, fühle ich mit ihm und bin ich ihm emotional nahe, fällt es mir leicht zu schenken.

Bin ich aber abgewandt von der Person, vielleicht, weil sie mir nicht wichtig ist, es eine eingefahrene Routine ist, sich zu beschenken, ich es (aus welchen Gründen auch immer) als Last ansehe, sie zu beschenken, ist ein Präsent mehr als unnötig. Der Empfänger wird es ohnehin spüren.

Ich drücke also durch ein Geschenk meine Beziehung und meine Gefühle aus.

Ich sage ohne Worte, wieviel mir diese Beziehung wert ist – und das ganz ohne etwas für das Präsent zahlen zu müssen.

Ein Geschenk will laut dem Religionspädagogischen Instituts Loccum auch sagen: „Ich liebe dich um deiner Selbst willen! Du musst dir meine Liebe nicht verdienen. Ich beschenke dich einfach, weil ich es will – aus Liebe!“

Und hier findet sich auch der Bezug zu Weihnachten:

„Schenken und Beschenktwerden, beides ist tief mit unserem christlichen Glauben verbunden und theologisch unaufgebbar. Und gerade deshalb besteht an Weihnachten – Gott schenkt sich selbst ganz in diese Welt und in unser Leben – ein guter Anknüpfungspunkt dafür, einem lieben Menschen in meinem Leben ein Geschenk zu machen…Denn darum schenken wir: Wir schenken, weil wir beschenkt sind!“

Schenken, weil ich beschenkt bin

Diesen Gedanken finde ich wunderschön: Wir schenken, weil wir beschenkt sind. Von der Liebe Gottes oder vom Empfänger oder vom Leben selbst oder allem, von dem wir uns beschenkt fühlen wollen.

Von was oder wem fühlst du dich beschenkt?

Wem oder was möchtest du etwas zurückgeben?

Wem möchtest du danken?

Konsumwahn oder Herzensentscheidung – du entscheidest jedes Jahr!

Wem möchtest du eigentlich nichts mehr schenken und warum?

Warum bist du nicht einfach ehrlich zu dir und brichst den Geschenkefluss ab?

Warum unterstützt du mit einem Geschenk für diese Personen den Konsumwahn (wenn es nicht von Herzen kommt, ist es ein Wahn)?

Glaube mir, du wirst dich leichter fühlen. Es ist ganz einfach. Du brauchst es nur zu sagen: „Ach, es wird immer mehr an Konsum und Kommerz, lass uns diese eingefahrene Situation doch einfach mal aussetzten/beenden“ oder

„Wird es für dich auch immer so stressig vor den Festtagen? Ich würde gerne etwas weniger Geschenkestress haben und reduziere jetzt drastisch. Bitte versteh das und tu es mir doch gleich“

Fertig und Ende. 😉

Wie findest du nun das perfekte Geschenk?

Den Mensch, welchen du wirklich beschenken möchtest, schenke dich ganz. Sei präsent und ganz bei ihm.

Was mag er gerne?

Wie kann ich ihm eine Freude bereiten?

Was kann ihm helfen, ihn weiterbringen, ihm Arbeit abnehmen?

Was würde er sich nie leisten, mag er aber oder tut ihm gut?

Mach dir Gedanken, setz dich hin und fühle dich in die Person hinein, halte Augen und Ohren auf und du wirst sicher etwas finden.

Vielleicht verschenkst du dieses Jahr deine Anwesenheit in Form von einer schönen Aktion, einem Eisbahnbesuch, einen Tag im Museum, einen Kinoabend, einer Wanderung, einem Saunabesuch, einer Einladung zum Lieblingsessen, einen Wochenendtrip oder einmal Reifen wechseln.

Wenn du etwas kaufen möchtest, achte vielleicht mal darauf, dass es ein Problem dieser Person löst oder für sie etwas ganz Besonderes ist. Vielleicht bietet sich mit kleinem finanziellen Aufwand ein wenig Erholung oder sogar kostenfrei eine neue Erfahrung an.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir des Schenkens Willens bewusst und mit Liebe schenken und nicht, weil es eben so ist.

Eine einfach glückliche Zeit

Stefanie